10 Tipps für sicheres Offroad Fahren

10 Tipps für sicheres Offroad Fahren

 

Abseits befestigter Strassen und Wege zu fahren, verlangt einiges an Können, manchmal etwas Überwindung und natürlich viel Übung. Grundsätzlich gelten aber 2 wichtige Regeln: nicht alles was gefahren werden kann, musst du fahren. Und wenn du fährst, dann immer …

…so schnell wie nötig – so langsam wie möglich.

Wir haben hier für dich 10 Tipps für sicheren Offroad-Fahrspass aus dem “AMAROK ADVENTURE GUIDE – OFFROAD IN EUROPA” zusammengestellt. Wenn du dich an diese Regeln hältst, packst du die 16 atemberaubenden Trails aus dem Guide mit links.

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Die Idee für diesen Adventure Guide war so einfach wie aufregend: mit einem ganz besonderen Amarok und einem festen Team Europa erkunden. Immer auf der Suche nach Pisten, die man befahren darf, die man bewältigen kann und die Lust auf mehr machen. Solche Strecken gibt es nicht an jeder Ecke, aber doch öfter, als man vielleicht annimmt. Heraus kam dabei ein Guide mit wunderschönen Touren quer durch Europa abseits der Strassen. Eine der Offroad-Routen führte auch durch die Schweiz, lese hier mehr dazu….

 

 

[highlight background=”#333″ color=”#fff”]10 Tipps für sicheren Offroad-Fahrspass[/highlight]

1. Allrad auch im Kopf einschalten

Nicht nur das Auto, auch der Fahrer sollte auf das Gelände vorbereitet sein. Gut ist es, vor der Fahrt eine kurze Checkliste abzuarbeiten: Stimmen die Einstellungen des Fahrzeugs? Ist die Ausrüstung vollständig? Sind alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen? Dann kann es losgehen.

2. Kenne dein Fahrzeug

Bevor es ins Gelände geht, lerne dein Fahrzeug kennen: Welche Systeme stehen dir zur Verfügung? Wie arbeiten sie? Und in welcher Situation nutzt du sie? Das ist bei jedem Geländewagentyp unterschiedlich. Informationen dazu kannst du beispielsweise dem Handbuch des Wagens entnehmen.

3. Sicherheit geht vor

Sicherheit beginnt schon mit dem Anschnallen. Im schlimmsten Fall kann das Auto kippen oder sich sogar überschlagen. Grundsätzlich gilt: Du solltest jederzeit gut abwägen, ob ein Manöver zu bewältigen ist.

4. Fahren, ohne Spuren zu hinterlassen

Offroader sind Naturliebhaber. Deshalb: nur ausgewiesene Strecken nutzen, die auch für Offroad-Fahrzeuge freigegeben sind. Und wenn du deine Fahrweise dem Gelände anpasst und dich so schonend wie möglich mit deinem Fahrzeug bewegst, kannst du viele Schäden vermeiden. So werden die wenigen Gebiete, die noch offen erreichbar sind, in einem guten Zustand erhalten.

5. Laufen gehört dazu

Wer beim Wort Offroad nur ans Fahren denkt, wird eines Besseren belehrt. Während einer Tour ist man auch schon mal zu Fuss unterwegs. Nicht selten ist eine Situation aus dem Auto heraus schwierig einzuschätzen. Generell solltest du immer wieder aussteigen, um die Beschaffenheit des Weges vor dem Befahren zu begutachten.

6. Kartenlesen ist unerlässlich

Bei der Navigation solltest du dich nie ausschliesslich auf das GPS verlassen. Auch Landkarten bleiben ein wichtiger Begleiter für Geländefahrten. Sie schaffen einen Gesamtüberblick über die Gegend, in der man unterwegs ist. Und wenn die Technik streikt, ist das Kartenlesen überlebenswichtig.

7. Gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg

Unangenehme Überraschungen möchte man vermeiden. Deshalb ist ein Check-up des Wagens vor der Fahrt Pflicht. Sollte es trotzdem mal nicht weitergehen, muss das Fahrzeug schnell und sicher geborgen werden – eine Grundfähigkeit, die jeder Offroader beherrschen sollte.

8. Sei ehrlich zu dir selbst

Nicht alle Strecken, die befahren werden können, müssen auch gefahren werden. Du solltest dich langsam an schwieriges Gelände herantasten und dich nicht zu waghalsigen Fahrmanövern provozieren lassen. Überprüfe dich immer wieder selbst, und höre auf dein Gefühl. Im Zweifel lieber umdrehen.

9. Schone dein Material

Ein Defekt an der Technik ist oft nicht mit Bordmitteln zu reparieren. Im Gelände kann ein Materialschaden daher zum grossen Problem werden – vor allem dann, wenn das Auto nicht geortet werden kann. Spätestens hier ist das GPS ein Segen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, solltest du deine Fahrweise an das Gelände anpassen.

10. Lerne von den Profis

Gespräche mit erfahrenen Offroad-Profis können dir bei der ersten Einschätzung des Geländes helfen. Zur Vorbereitung ist es zudem empfehlenswert, an einem professionellen Offroad- Training der Volkswagen Driving Experience teilzunehmen. Dort vermitteln dir Experten das nötige Know-how für dein nächstes Abenteuer.

  

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion

 

Wenn Colt Seavers heute einen Pick-up beim Händler seines Vertrauens erstehen würde, hätte der VW Amarok V6 gute Chancen, künftig als neue «Weapon of Choice» mit ihm auf Kopfgeldjagd zu fahren (zusammen mit Howie und Jody. Oder besser nur Jody..). Denn nicht nur auf der Strasse geht der Amarok V6 gut los, besonders im Gelände und am Berg fühlt er sich richtig zu Hause. Und da verstecken sich die Übeltäter ja in der Regel. Weiss man doch.

VW Amarok V6 Exterieur

The Fall Guy: VW Amarok V6 Canyon 4Motion

Hilfreich beim Anpirschen an die bösen Jungs ist natürlich eine ruhige Sohle. Nun, damit fällt der Amarok nicht direkt auf; der Motor rattert in Dieselmanier und verrät den Bounty Hunter bereits aus der Distanz. Das kriegt man im Innern aber irgendwie überhaupt nicht mit. Sind die Fenster geschlossen, ist’s bereits ziemlich ruhig. Und wenn dann noch etwas Sound aus den (von der Leistung her leider eher dürftigen) Lautsprechern dröhnt, ist bezüglich Motorenlärm mal ganz schnell Ruhe in der Kiste. So könnte man zu Beginn etwas überrascht sein, wenn die gesuchten Schelme bereits auf der Bergstrasse vor einem davonrennen. Oder fahren. Nun; wäre nicht besonders tragisch. Denn wer dem Allrad-Amarok mit 8-Gang-Automatikgetriebe und dem V6 3,0-I-TDI (204 PS/150 kW) mit bis zu 500 Nm Drehmoment davon kommen will, muss selber ein ziemlich heisses Gerät am Start haben.

VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

Derweil im Amarok; Sportmodus rein, Bodenbrett und lässig das Lasso auspacken; die Bodenhaftung, insbesondere in Kurven, und die Beschleunigung des V6 sind beeindruckend und soviel besser als beim Vierzylinder Diesel, der für etwas weniger Kies bis Anfang 2018 erhältlich war.

VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

Apropos Kies

Dieser kann ganz easy auf der 1,62 m bzw 1.22 m (zwischen den Radkästen) breiten Brücke transportiert werden (bis zu 1’050 kg). Wer gerne mal Europaletten lädt kann dies problemlos machen, passen sogar quer. Und dank der (optionalen) Laderaumbeschichtung gibt’s auch keine Kratzer. Bei Bedarf bietet die 2,52 m2 grosse Brücke Raum für vier Schafe, eine Mutterkuh mit Kalb oder eben: Galgenvögel (mindestens fünf), mit oder ohne Beute. Solange die Ladung nicht über die Seitenwände reicht (vgl. Galgenvögel), kann die Brücke mit der Alu-Laderaumabdeckung (auch optional) verschlossen werden. Und zwar ganz bequem mit der zuständigen Leine, die irgendwie immer da und erreichbar ist, wenn man sie braucht. Die Ladekante ist mit 780 mm auf einer angenehmen Höhe, was das Be- und Entladen zusätzlich vereinfacht. Was immer man dann auch transportieren mag.

VW Amarok V6 Exterieur

Etwas auffällig

Für die Bounty Hunt empfiehlt sich die quietschend orange/bronzene Lackierung, Honey Orange Metallic genannt, nicht zwingend. Zusammen mit den Radlaufverbreiterungen wirkt der Amarok Canyon in dieser Farbe etwas wie ein Playmobil-Auto, das auf Menschengrösse aufgeblasen wurde.

VW Amarok V6 Exterieur

Der optionale Lampenbügel mit vier Fernlicht-Scheinwerfern lässt ihn dann wieder etwas Seaveresker erscheinen. Bei Verfolgungsjagden hilfreich ist aber ganz klar die super angenehme Lenkung und das allgemein PW-artige Handling. Dazu bietet das Cockpit Trump-mässig viel Platz. Soviel, dass man nicht merken würde, dass man mal eben ein paar Kilos zugelegt hat. Auch ist im Beinraum ausreichend Platz für fortgeschrittenes «Manspreading», falls dies dann mal wieder nötig sein sollte.

Hinten wenig zu lachen

Falls man gnädig ist und die eingesackten Kerls in der Cabin transportiert, haben’s diese dort aber deutlich weniger komfortabel als der Boss vorne. Abgesehen davon, dass ihnen das recht geschieht, stellt sich schon die Frage, ob sich die Ingenieure auch mal auf die Rückbank gesetzt haben in ihrem Planungs-Modell. Na, müssen sie sich halt etwas zusammen krungeln, die Kerls.

«Luxikales» Interieur

Fürs Auge und den Hintern gibt’s im VW Amarok Canyon den exklusiven Stoffsitzbezug »Mithy Tamo« in Titanschwarz/Braun mit schwarzen Seitenwagen und orangefarbenen Nähten. Die Sicherheitsgurten sind ebenfalls mit orangefarbenen Konturen verziert und die Pedale in Edelstahl gehalten.

VW Amarok V6 Canyon Interieur

Das Multifunktions-Lederlenkrad (yep, auch mit orangefarbenen Nähten) verfügt über eine angenehm reduzierte Zahl an Bedienelementen. Es ist an Bedienung alles da was man braucht, nothing more, nothing less. Heizung manuell, alles in gut erreichbarer Distanz, die ganze Bedienung benötigt quasi keine Akklimatisierungszeit, man ist sofort warm damit. Gilt auch für die Bedienung der Multifunktionsanzeige und des Navigationssystems. Die Eingabe läuft recht flüssig und für einen Pick-up OK, wobei das 3-D-Farbdisplay für ein Gefährt dieser Grösse eher klein ausgefallen ist. Dazu fehlt im Testwagen die Integration von Apples CarPlay und Googles Android Auto.

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

VW Amarok Canyon V6 4Motion – Fazit:

VW-Nutzfahrzeuge beschreibt den Amarok V6 Canyon als kompromisslos im Gelände und temperamentvoll auf dem Asphalt. Der neue Amarok vereine alles, was man von einem exklusiven Allrounder der Premiumklasse erwarte: maskulines Design, robuste Bauweise sowie jede Menge Power.

VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

Andere sagen, dass der Plastik im Innern etwas reichlich verbaut sei. Und dass, wie so oft, wieder nur ein USB-Slot zu Verfügung steht. Ansonsten finden sich so gut wie keine Klagen in der Fachpresse. Und das will was heissen.

VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

Wir können uns dem anschliessen; ob als Bounty Hunter-Mobil, Lifestyle-Pickup für Adventure-Familys oder für Leute, die dieses Format wirklich benötigen; der VW Amarok V6 Canyon 4Motion ist für jede Schandtat zu haben. Im Wochentest lag der Verbrauch bei knapp unter 10 Litern, 9,9 um genau zu sein. Das ist nicht wenig aber für ein Gerät dieses Formats geht das in Ordnung.

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

VW Amarok Canyon V6 4Motion – Technische Daten:

Viertüriger Pick-up mit fünf Sitzen, Länge: 5,3 Meter, Breite: 2,2 Meter, Höhe: 1,8 Meter, Radstand: 3,1 Meter, Laderaum Fläche 2,52 m2 3,0-l-TDI mit Allradantrieb 4Motion, 204 PS, maximales Drehmoment: 500 Nm, Vmax: 195 km/h, Preis: ab CHF 44’790

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

VW Amarok Canyon V6 4Motion – Kurzcharakteristik:

Warum: weil deutlich besser als der Vierzylinder-Amarok (den’s neu ja auch nicht mehr gibt)
Warum nicht: vielleicht doch ein etwas zu quietschiges Design (Alternative: Amarok Dark Label)
Sonst noch: Nissan Navara, Ford Ranger, Mitsubishi L200, Renault Alaskan, Fiat Fullback, Mercedes-Benz X-Klasse

Weitere Informationen finden sie hier.

Fahrbericht VW Amarok V6 Canyon 4Motion Exterieur

Pickups: Die unterschätzten Alleskönner

Pickups: Die unterschätzten Alleskönner

Pickups: Die unterschätzten Alleskönner

 

Nur wenige Allrad-Enthusiasten haben eine offene Ladefläche im Hinterkopf, wenn sie an Matschlöcher, unwegsame Wildnis und weglose Strecken denken. Dabei hat der Pickup eigentlich nur Vorteile, die ihn sogar noch besser als Alltagsauto geeignet erscheinen lassen. Eine Liebeserklärung an Step- und Fleetside.

Pickup-Truck – Hand hoch, wer bei diesem Begriff nicht sofort eine ländliche Szenerie mit einem endlos langen Weidezaun vor dem inneren Auge hat. Pickup-Truck – damit assoziiert man Macho-Namen wie Silverado, Super-Duty oder RAM. Pickup-Truck – das vielleicht klischeebehaftetste Fahrzeug, das es überhaupt gibt. Wer sowas in Europa fährt, der ist in den Augen vieler schon zumindest mal verdächtig, irgendwelchen US-Südstaaten-Idealen anzuhängen. Vorne ein Cockpit und hinten so viel offene Fläche, auf der jegliche Ladung dem Wetter schutzlos ausgeliefert ist – das kann doch hierzulande gar nicht sinnvoll sein, wo es statistisch an 158 von 365 Tagen regnet. Doch wer so argumentiert, vergisst nicht nur, dass es auch beim Pickup diverse Mittel und Wege gibt, die Ladung vor Regen zu schützen – und er ignoriert auch, dass nach dieser Logik sich niemand ein Cabriolet zulegen dürfte. Fakt ist jedoch, Pickups sind unglaublich praktisch und haben auch als Offroader einige Vorteile, die viele gar nicht auf dem Schirm haben. Der folgende Artikel ist deshalb nicht mehr und nicht weniger als eine Liebeserklärung an kleine Führerhäuser und grosse Ladeflächen.

4x4Schweiz-Know-how: Pickup-Trucks, die Alleskönner

fotolia.com © Jacob Lund

Entwicklungsgebiet Europa

Schon vor einem Jahr, anlässlich der 2015er IAA schrieben wir, dass Pickups – global gesehen – eine wahre Goldader sind, eine echte Gelddruckmaschine, um genauer zu sein. Doch woran liegt es, dass Pickups nicht nur in der Schweiz, sondern in praktisch allen europäischen Ländern ein eher seltener Anblick sind, selbst in einer Welt, in der Geländewagen bzw. SUVs immer mehr Verbreitung finden?

Es mag daran liegen, dass der europäische Mensch ein ausgesprochener Liebhaber der Kompromisse ist, Geländegängigkeit ja, aber bitte nur mit einem Auto, dass alle seine Passagiere mit dem gleichen Luxus über eine Autobahn transportiert, wie eine Limousine der oberen Mittelklasse.

Der Pickup, zumindest in seiner Ursprungsform, also Einzelkabine für zwei oder drei Personen und eine riesige Ladefläche, erfordert jedoch Kompromisslosigkeit. Wer sowas fährt, drückt damit ganz klar aus, dass er sich dafür entschieden hat, die praktischen Seiten eines Fahrzeugs in den Vordergrund zu rücken – Ofenholztransport statt Kofferraumteppich, Ladevolumen statt Rückbank-Kopffreiheit. Vom eher rustikalen Fahrkomfort, der aus der meist verbauten hinteren Starrachse samt Blattfedern resultiert, ganz zu schweigen – aber auch das ist kompromisslos, denn eine Einzelradaufhängung würde nun mal den Platz auf der Ladefläche reduzieren. Damit ist der klassische Pickup-Fahrer de facto eine Evolution des Kombi-Käufers, bloss eher in der „Jeans+Stiefel“-Variante.

Und obschon es praktisch keinen der hierzulande angebotenen Pickups nur mit Einzelkabine, sondern immer auch mit 1,5 bzw. Doppelkabine zu kaufen gibt, bleibt diese Kompromisslosigkeit auch bei diesen „domestizierten“ Pickups bestehen.

Es werden immer mehr

Dabei sollte man jedoch nicht den Fehler machen, zu glauben, dass Pickups weiterhin ein eher stiefmütterliches Dasein fristen werden. Das zeigt allein schon ein Blick in die Vergangenheit:

  • Ende der 70er stellte VW den Caddy vor – kaum mehr als ein Golf-1 mit offener Ladefläche
  • Im gleichen Jahr, 1979, bringt Peugeot seinen 504 Pickup – mit ähnlichem Konzept
  • Im Lauf der 80er kommen die ersten Toyota Hilux der dritten Generation nach Europa – wenngleich ebenfalls noch wenig nach Geländewagen aussehend
  • In den späten 80ern und frühen 90ern öffnet sich der Markt langsam. Mit dem Hilux YN58 und dem Nissan D/W21 finden die ersten „richtigen“ Gelände-Pickups den Weg auf Europas Strassen
  • Im gleichen Zeitraum baut VW mit dem Hilux-Lizenzbau Taro einen der ersten europäischen Gelände-Pickups

Und heute? Heute ist die Modellpalette an Pickups verglichen mit diesen wenigen Modellen vor 20 Jahren geradezu gigantisch:

  • Ford Ranger
  • Toyota Hilux
  • VW Amarok
  • Nissan Navara
  • Mitsubishi L200
  • Isuzu D-Max (Kooperation mit Mazda)
  • Fiat Fullback

um nur einige zu nennen. Da wundert es nicht, dass selbst Mercedes mittlerweile eingesehen hat, dass sich mit der „Pritsche“ Geld verdienen lässt und mit der X-Klasse im Midsize-Segment mitmischen will. Denn die Stuttgarter haben eines ganz richtig erkannt, der heutige Pickup ist zwar immer noch kompromisslos, aber er kann dennoch so angepasst werden, dass er auch einen luxusbetontere Käuferschicht anspricht. Und zufällig sind das die, die morgens die Kinder zur Schule bringen müssen, aber ebenso auch sperrige Einkäufe transportieren wollen und eben im Zweifelsfall auch mal durch den Matsch wollen.

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Man kann also durch die jüngsten Ereignisse sowie den generellen Trend zum höherliegenden Fahrzeug in Form des SUV durchaus sicher voraussagen, dass der Pickup in Zukunft eine grössere Marktnische haben wird, als es in der Vergangenheit der Fall war. Und das ist auch gut so, denn diese Fahrzeugform hat einige Besonderheiten, die es bis dato nur bei selten in Privatbesitz zu findenden Vehikeln wie dem Unimog oder den Pritschen-Varianten von Sprinter und Co. zu finden gab.

Die totale Freiheit

Und genau diese Besonderheiten, die fast schon einem Spagat gleichen, ermöglicht ein normaler Pickup – vielleicht sogar besser, als jeder dedizierte Geländewagen nach klassischem Verständnis. Denn ob nun Land Cruiser, G oder Patrol, im Vergleich zur Fahrzeuggrösse können die Ladevolumina oft nicht überzeugen. Und selbst wenn die Rückbank umgeklappt wird, bleibt das Problem, dass man für stark schmutzende Ladungen wie Brennholz und Co. einen Anhänger verwenden sollte – denn auch Geländewagen kommen heute serienmässig meist mit klassisch-schmutzempfindlichen Veloursteppich und den will keiner reinigen müssen.

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Bloss ist ein Anhänger gleich in mehreren Punkten ein Rückschritt, er erfordert einen zusätzlichen Stellplatz, kostet einen neben dem Fahrzeug noch zusätzliche Steuern und ist nicht wirklich für grobes Gelände geeignet – und das nicht nur, weil ein solches Gespann ziemlich lang ist.

Beim Pickup stellt sich eine solche Frage erst gar nicht. Die Klappbox mit den Wocheneinkäufen aus der Migros findet auf der Ladefläche ebenso Platz wie ein Raummeter ofenfertig geschnittenes Brennholz – samt der dazu notwendigen Motorsäge. Und wenn was schmutzig wird, richtet man einfach den Wasserschlauch auf die Ladefläche und nach einer Minute ist alles wieder gut. Zudem lässt sich dieser ganze Wust an Dingen auch noch ohne jeglichen Komfortverlust transportieren – die Ladefläche ist ja fester Bestandteil des Fahrzeugs und selbst bei einem klassisch-europäischen Doppelkabiner-Pickup immer noch wesentlich geräumiger als der Kofferraum eines jeden Geländewagens oder SUV.

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Der Isuzu D-Max hat beispielsweise ein Ladeflächenvolumen von 779 Litern – wohlgemerkt nur bis zur Oberkante der Prischtenumrandung. Wo jedoch bei jedem anderen Auto das Fahrzeugdach die natürliche Grenze darstellt, gibt es die beim Pickup schlicht nicht – man kann also Dinge mit wesentlich grösseren Volumina laden, als die reine Ladefläche. Das wird schon dann nützlich, wenn es nur darum geht, Möbel zu kaufen oder andere sperrige Dinge von A nach B zu transportieren. Beim Pickup lädt man diese auf, sichert sie und fährt los. Keine Probleme mit Kofferraumklappen, die dann zwangsweise offenbleiben müssen oder irgendwelchen Innenraum-Verkleidungen, die einen Zentimeter zu breit sind für das sperrige Ladegut.

Naturgemässe Nachteile

Natürlich sollen all diese Vorteile nicht überdecken, dass auch der Pickup kein perfektes Auto ist, denn (wie jedes Fahrzeug) hat er auch Nachteile. Und das fängt in aller Regel beim Fahrkomfort an. Denn wenn die Ladefläche leer ist, liegen auf der Hinterachse nur wenige Kilo Blech und das sorgt in Verbindung mit den Blattfedern, die für mehrere hundert Kilo ausgelegt und dementsprechend steif sind, sowie den hohen ungefederten Massen der Starrachse naturgemäss dafür, dass ein leerer Pickup hintenrum holpert und poltert. Dass die winterliche Traktion unter dieser mangelnden Belastung leiden kann, sollte ebenfalls nicht verwundern. Allerdings sollten ja auch Offroader trotz der hierzulande nicht vorhandenen Pflicht generell mit Winterreifen und nicht den typischerweise verwendeten Ganzjahresgummis ausgestattet werden und nicht umsonst bietet etwa Nissan seine Snow-Experience an, um auch mit Pickups das Fahren bei Eis und Schnee zu erlernen. Und ein Satz Winter-Geländereifen gibt dem Pickup schon viel Traktion zurück, selbst wenn er leer ist. Wer dann noch einen Sack Streusalz, eine Bauwanne voll Sand oder ähnlich gewichtige Dinge auf die Ladefläche packt, hat praktisch gar keine Probleme mehr, mit der nicht auch andere Fahrzeuge zu kämpfen hätten – abgesehen davon, dass die Entwicklung von Antischlupfsystemen auch am Pickup nicht vorbeigegangen ist.

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Und zum oft erwähnten Thema Spritverbrauch kann man nur sagen: Ob nun ein Gelände-Kastenwagen mit bis über die Hinterachse gezogenem, geschlossenem Fahrgastraum oder ein Pickup mit leichtem Hinterteil und einigen Kilo Sand darauf – das macht kaum einen Unterschied. Zudem könnte man, wenn man die Verbrauchsreduzierung auf die Spitze treiben möchte, sogar dem Pickup noch statt der wenig windschlüpfrigen Heckklappe ein sogenanntes Mesh Tailgate spendieren. Das ersetzt die Heckklappe durch ein grobmaschiges Netz, das dem Fahrtwind praktisch keinen Widerstand entgegensetzt und somit auch den Kraftstoffverbrauch senkt.

Natürlich wird jeder Pickup-Skeptiker auch das Thema des offenen Laderaumes ansprechen. Freilich ist es eine Tatsache, dass die offene Pritsche in keinster Weise vor den Unbilden der Witterung oder Langfingern schützt. Doch auch hier ermöglicht die Flexibilität des Pickups, das Fahrzeug entsprechend anzupassen:

  • Für die meisten gängigen Pickups existieren flache Laderaumabdeckungen, oft sogar abschliessbar und wo nicht, kann auch eine entsprechende Plane Regenschutz herstellen.
  • Hardtop-Aufbauten ermöglichen es, den Pickup mit einem festen Aufbau in gleiche Höhe wie die Fahrgastzelle auszurüsten – im Gegensatz zum normalen Geländewagen können diese aber auch mit wenigen Handgriffen demontiert werden.
  • Der Zubehörhandel bietet eine grosse Bandbreite an Laderaum-Boxen unterschiedlicher Grössen und Materialien. Die meisten davon werden fest mit der Ladefläche verbunden, sind abschliessbar und schützen damit den Inhalt sowohl vor dem Wetter, als auch Dieben.

Und nicht zuletzt haben 1½- und Doppelkabiner natürlich auch noch die Option, die jeder Besitzer eines Viertürers hat und gerne wahrnimmt, nämlich einfach Dinge auf die Rückbank zu legen.

Besser im Gelände (?)

Jetzt folgt ein Punkt, über den sich nicht jeder in der Offroader-Gemeinde einig sein wird, aber das macht nichts, denn würden alle die gleichen Geländewagen lieben, wäre es um die Vielfalt unserer Leidenschaft geschehen.

Prinzipiell ist ein Pickup, so er denn mit ähnlichen Features wie ein „normaler“ Geländewagen ausgestattet ist, sogar besser geeignet, um sich über unwegsames Gelände zu kämpfen – und dort auch noch wesentlich praktischer. Und zwar aus gleich mehreren Gründen:

  • Bei praktisch keinem einzigen Gelände-Pickup kommt etwas anderes als ein Leiterrahmen zum Einsatz – bei SUVs muss man danach schon explizit suchen. So wäre beispielsweise ein rostiger 90er-Jahre VW Taro dem SUV Touareg aus gleichem Hause allein schon deshalb im Gelände überlegen.
  • Eine Starrachse ist durch die gleichbleibende Bodenfreiheit sowie die bessere Verschränkung rein physikalisch besser für unebene Untergründe geeignet, als jede andere Aufhängungsform.
  • Die Ladefläche macht es möglich, eine riesige Palette an nützlichen Offroad-Tools wie Winden, Sandbleche usw. mitzuführen, ohne dass dabei, wie bei einem Dachgepäckträger, der Schwerpunkt des Fahrzeugs erhöht wird.
  • Dadurch, dass Motorraum/Fahrgastzelle sowie die Pritsche voneinander getrennte Elemente sind und kein durchgängiges „Blechpaket“ wie bei einem klassischen Geländewagen, kann der Rahmen sich besser verwinden – was zugegebenermassen bei der teilweise grösseren Länge eines Pickups auch notwendig ist.

Zudem hat der Pickup im Gelände auch noch einige andere praktische Eigenschaften für eine bestimmte Klientel. Nämlich die der Jäger. Was hat der Waidmann nicht schon an Geländewagen-Zubehör gesehen. Wildwannen für den Kofferraum, Gitterkisten-Konstruktionen, die sich auf der Anhängerkupplung fixieren lassen und sogar Rammschutzbügel, die sich über ein Scharnier nach vorne kippen lassen – alles, um ein Stück Wild aus dem Revier zu befördern. Was der gemeine Fussgänger denkt, wenn ihm abends um zehn ein Land Cruiser entgegenkommt, auf dessen Frontschutzbügel eine frisch erlegte Wildsau liegt, darf man sich ausmalen.

Beim Pickup hingegen wird die Ladefläche im Zweifelsfall nicht nur zum mobilen Ansitz, der teilweise Hochsitzkonstruktionen überflüssig macht, sondern jegliches erlegte Wild findet auf der Ladefläche überreichlich Platz – ohne Zusatzkonstruktion.

Der Lifestyle-Transporter

Und heute befinden wir uns an einem Punkt, an dem alles zusammenkommt. Nämlich dadurch, dass die Märkte in Europa für den Pickup grösser wurden, erkannten auch die Hersteller, dass es möglich ist, grössere Gewinnspannen zu erzielen – der Pickup von heute ist zwar immer noch kompromisslos, aber nicht mehr unkomfortabel. Je nach Kabinenform macht es heute keinerlei Unterschied mehr, ob man die Kinder auf der Rückbank eines SUV, eines Kombis oder eines Pickups festschnallt – bloss ist hinten immer noch eine in der Höhe unbegrenzte Ladefläche vorhanden:

  • Für Outdoor-Freunde wird der Pickup bei Regenwetter zur trockenen Fläche, um ein Zelt aufzubauen.
  • Für Weltenbummler existieren Wohnkabinen-Aufbauten, in denen es sich so komfortabel lebt wie im Wohnmobil oder –wagen – zudem macht die Geländegängigkeit es möglich, sein Lager an Plätzen jenseits ausgetretener Pfade aufzuschlagen.
  • Für Mountainbiker gibt es die Möglichkeit, nicht nur an praktisch jeden Startpunkt im unwegsamsten Terrain zu gelangen, sondern die hinterher verschmutzten Velos auch noch zurücktransportieren zu können, ohne Teppich und Co. zu verschmutzen oder auf Dachkonstruktionen vertrauen zu müssen.
4x4Schweiz-Know-how: Pickup-Trucks, die Alleskönner

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Und das Beste daran ist, im Gegensatz zu praktisch jeder anderen Fahrzeugform ist das beim Pickup ohne grössere Vorbereitungen möglich. Auf die Ladefläche packen und los geht es. Keine Installation von Heck- oder Dachgepäckträgern. Kein Kofferraum-Tetris, damit auch alles so passt, dass die Klappe noch schliesst.

Damit ist der Pickup sogar ein echtes Kind unserer Zeit, in der viele Menschen immer vielfältigere Hobbies pflegen, immer mehr flexibel sind und immer mehr Freiheit möchten – der Lastesel ist heute ein Lifestyle-Transporter, denn er ermöglich all das ohne Kompromisse eingehen zu müssen, weil der Pickup (in schlammfreiem Zustand) durch seine dem Zeitgeist angepasste Optik auch noch vor jedem feinen Restaurant einen genauso guten Auftritt macht, wie ein SUV.

Fazit

Der Pickup ist viel mehr als ein Lastesel. Er ist buchstäblich so praktisch wie das weltberühmte Schweizer Taschenmesser. Denn er verbindet alle Vorteile eines SUVs mit denen eines Kombis, würzt sie mit der Geländegängigkeit eines reinrassigen Offroaders und ergänzt zudem noch eine, von keinen Säulen und Decken begrenzte Ladekapazität, die sich in der Stadt genauso zuhause fühlt wie auf einer einsamen Alp, zu der kein asphaltierter Weg führt. Er ist kompromisslos – kompromisslos vielseitig.