Im VW Amarok offroad durch die Schweiz und Europa

Im VW Amarok offroad durch die Schweiz und Europa

Im VW Amarok offroad durch die Schweiz und Europa

 

30’000 Kilometer, 16 Offroad-Trails, 1 Amarok

Die Suche nach den schönsten Offroad-Pisten führte das Team über 16 Stationen quer durch ganz Europa. Das Ergebnis ist eine Sammlung von 16 Trails, die manchmal herausfordernd, häufig überraschend oder einfach nur faszinierend sind. Aber allesamt sind legal befahrbar. Einer dieser Trails führt auch durch die Schweiz, im Val Schons nahe Andeer (Graubünden). 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem “AMAROK ADVENTURE GUIDE – OFFROAD IN EUROPA”

Die Idee für dieses Buch war so einfach wie aufregend: mit einem ganz besonderen Amarok und einem festen Team Europa erkunden. Immer auf der Suche nach Pisten, die man befahren darf, die man bewältigen kann und die Lust auf mehr machen. Solche Strecken gibt es nicht an jeder Ecke, aber doch öfter, als man vielleicht annimmt. Die Basis bildete ein in leuchtendem Grün folierter Amarok mit serienmässiger V6-Motorisierung, aufgerüstet mit Beleuchtung, Unterfahrschutz und Seilwinde. Ebenfalls an Bord: Kameras! Auf der grossen Europafahrt sind nicht nur Tausende Bilder entstanden, sondern auch spannendes Filmmaterial, das einen weiteren tiefen Einblick in die Abenteuer der Crew ermöglicht.

Das Abenteuer “Val Schons” kann beginnen.

 

 

Der VW Amarok erweist sich als unerschütterlicher Begleiter.

Abseits befestigter Strassen und Wege zu fahren, verlangt einiges an Können, manchmal etwas Überwindung und natürlich viel Übung. Grundsätzlich gelten aber 2 wichtige Regeln: nicht alles was gefahren werden kann, musst du fahren. Und wenn du fährst, dann immer so schnell wie nötig und so langsam wie möglich. 10 weitere Tipps für sicheres Offroad-Fahren gibt es hier von den Profis

Wer die Hektik des Alltags hinter sich lassen will, folgt im Val Schons einem der vielen Seitenwege. Dort warten atemberaubende Ausblicke – und jede Menge Idylle.

Im vierten Akt von »Wilhelm Tell« würde jetzt Landvogt Gessler durch die hohle Gasse kommen. Aber Friedrich Schillers Drama ist datiert auf 1804, nicht auf das 21. Jahrhundert. Außerdem führt der schmale Pfad nicht nach Küssnacht, wie im berühmten Theaterstück um den Freiheitskämpfer, sondern nach Sufers. Und deswegen reitet auch kein unbeliebter Tyrann durch den Wald im Schams-Tal. Stattdessen knirscht Kies unter den Rädern des VW Amarok, der – unbehelligt von Hinterhalten – auf drei unterschiedlichen Offroad-Strecken rund um Andeer unterwegs ist. Sie führen durch verwunschene Wälder, entlang saftiger Almwiesen oder in die hochalpine Zone jenseits der Baumgrenze. Die Bandbreite reicht von gemütlich bis herausfordernd.

Still ruht der See: Oberhalb des spiegelglatten Lago di Lei schraubt sich die Schotterpiste den steilen Hang hinauf

Die Berge rings um Andeer sind von einem Netz unbefestigter Wege durchzogen, die zu privaten Hütten führen, auf Almen auslaufen oder einfach im Nichts enden.

Das Befahren ist grundsätzlich möglich, bedarf aber vorheriger Genehmigung durch die Gemeinde

Trail 1: Durch den Wald ins Hochtal

Start: N 46° 35‘ 58.0“ / O 9° 25‘ 10.7“
Ziel: N 46° 34‘ 20.3“ / O 9° 22‘ 04.3“
Länge: ca. 7 km
Beschaffenheit: Naturweg, teilweise steinig

Der erste Trail führt zwischen Andeer und Sufers durch den Wald in ein Hochtal, in dem sich ausgedehnte Weiden erstrecken. Auf knapp 2’000 Metern Höhe weidet das Vieh im Frühjahr, bevor es hinauf auf die richtigen Almen geht.

Die Hütten und Ställe der sogenannten Maiensässe werden nicht mehr alle von den Bauern genutzt, einige wurden inzwischen zu Wochenendhäusern umfunktioniert

Beim Blick in die Runde breitet sich tiefe Entspannung aus. Hügel, so weit das Auge reicht.

Darin eingebettet: ein kleiner See. Im Westen ragen weiß die Splügener Kalkberge auf, die mit Teurihorn, Steilerhorn und den Pizzas d‘Anarosa knapp 3’000 Meter erreichen. Durch das Hochtal schlängelt sich der Trail Richtung Süden, kurz vor Sufers taucht er wieder in den Wald ein. Dem VW Amarok begegnet eine Gruppe Mountainbiker, die im kleinen Gang bergauf keuchen. Sie wollen noch bis zur Hütte am Cufercalhorn auf 2’385 Meter strampeln. 

Der VW Amarok gewinnt auf dem Hochplateau noch einmal 200 Höhenmeter, unbeirrt zieht der V6-Turbodiesel den Pickup den Anstieg hinauf

Trail 2: Hinauf auf eine Hochebene

Start: N 46° 28‘ 53.8“ / O 9° 27‘ 26.5“
Ziel: N 46° 28‘ 34.4“ / O 9° 28‘ 08.9“
Länge: ca. 3 km
Beschaffenheit: steinig, teilweise grob

Etwa 20 Kilometer südlich von Andeer, direkt an der Grenze zu Italien, windet sich ein ganz anders gearteter Trail hinauf auf eine Hochebene. Die Piste ist anspruchsvoller als im Wald von Andeer. Der Weg ist steinig, dennoch ohne Vierradantrieb befahrbar. Die Kehren sind so eng, dass dem VW Amarok das Rangieren gerade noch erspart bleibt. Aus Baumstämmen gezimmerte Lawinenschutzzäune lassen die Gefahren erahnen, die das steile Gelände im Winter birgt. Trotz der Barrieren ist von den Hängen abgebrochenes Geröll auf der Fahrbahn verstreut und lässt an einigen Stellen kaum eine schmale Spur frei. 

Trotz der Barrieren ist von den Hängen abgebrochenes Geröll auf der Fahrbahn verstreut und lässt an einigen Stellen kaum eine schmale Spur frei

Nun kreuzt Schmelzwasser den Pfad und fordert Vierradantrieb und Bodenfreiheit des VW Amarok.

Gleich danach versperren kleinere Steinhaufen den Weg. Trotz Kriechgang und Vorsicht am Lenkrad kratzt es hin und wieder an einer der Metallplatten unter dem Motor, Getriebe und Differenzialen. Der Trail endet oberhalb der Baumgrenze auf 2’200 Metern Höhe in Form einer Furgga, eines Passes. Dichter Wald versperrt die Weiterfahrt ins Nachbartal. Dort führt eine Strasse nach Juf, eine der höchstgelegenen Siedlungen Europas (2’126 Meter). Vielleicht ein anderes Mal. Jetzt schweift der Blick zurück zur imposanten Staumauer und zur spiegelnden Wasseroberfläche des Lago di Lei.

Der lang gestreckte See zwängt sich zwischen schneebedeckte Dreitausender, die den Vornamen Piz tragen

Furgga und Piz sind zwei Begriffe, die auf die historischen Wurzeln dieses Teils der Schweiz verweisen. Im Val Schons ist Rätoromanisch die Ursprache.

Davon zeugen in Andeer zahlreiche Inschriften auf Häusern, Ortsnamen oder Bezeichnungen auf Wegweisern

Trail 3: Auch die Bergflanke im Osten Schams-Tals hält einen Trail bereit

Start: N 46° 36‘ 55.5“ / O 9° 26‘ 29.6“
Ziel: N 46° 36‘ 31.1“ / O 9° 28‘ 00.8“
Länge: ca. 7 km
Beschaffenheit: Naturweg, teilweise steinig

Ausgehend vom Ort Pignia klettert er durch den Wald zunächst auf knapp 2’000 Meter bis zu den zwei Dutzend Häusern des Maiensässes Bavugls. Ausserhalb der Siedlung wechselt die Landschaft schlagartig. Statt Bäumen säumen nun Almwiesen den Weg. Dann versickert die Piste im Gras – um die Natur unberührt zu lassen, bleibt nur noch die Option Umdrehen. Nicht, ohne zuvor die Fernsicht zu geniessen: hinunter zum mehr als 1’000 Meter tiefer liegenden Andeer und den Hinterrhein entlang nach Norden, bei schönem Wetter bis Domleschg. 

Auf dem Rückweg dämmert es langsam im Val Schons, die untergehende Sonne wirft Farbe auf die umliegenden Berge. Der beinahe schon dunkle Wald ist still und angenehm kühl. Boden und Steine bedeckt ein grüner Teppich aus Moos, die Nadelbäume rücken undurchdringlich dicht zusammen, der Pfad wird immer schmaler – wie in einem Märchenwald.

Hinter der nächsten Biegung könnte Landvogt Gessler auf dem Pferd daherreiten. Rein theoretisch.

Den  AMAROK ADVENTURE GUIDE kann man hier bei OrellFüssli bestellen.

Offroad-Exkursion durch Graubünden mit Adventure Holidays

Offroad-Exkursion durch Graubünden mit Adventure Holidays

Offroad-Exkursion durch Graubünden mit Adventure Holidays

 

Die “Grischun”- Tour des Veranstalters Adventure Holidays steht unter dem Motto: „zivile und militärische Befestigungen entdecken und verstehen“. Unser einheimischer Guide “Mäck” erklärte der Truppe mit grossen Fachwissen und Enthusiasmus die Hintergründe und Bedeutung dieser Bauten für die Region. Wir starten im wunderschönen Andeer zum unserem Wochenend-Offroad-Trip über Forstwege und alten Militärstrassen durch das Bündner Hochgebirge.

“Ich bin Jäger, Naturfreund und hier aufgewachsen. Für mich ist Nachhaltigkeit und Wissensvermittlung ein sehr wichtiges Thema, offfroad fahren ist hier Mittel zum Zweck. Ich führe diese Touren nun schon einige Jahre als Guide an und habe grosse Freude, den Gästen meine wunderschöne Heimat näher zu bringen. Für uns – in den touristisch weniger gut erschlossenen Regionen – ist es wichtig, dass wir nicht nur uns von unserer besten Seite zeigen, sondern auch, was wir alles zu bieten haben. Unsere Route führt ausschliesslich über bestehende Forstwege und alte Militärstrassen, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind, aber mit den entsprechenden Bewilligungen von uns befahren werden dürfen.” 

Die Tour startet auf etwa 1000 Höhenmeter und führt durch märchenhafte Wälder und immer mal wieder geben die Bäume den Blick auf atemberaubende Berglandschaften frei. Die Wege führen uns vorbei an Maiensäss-Siedlungen, Voralpen und Alpen.

Weiter gehts, vorbei seltsam anmutenden “Chalets” und militärhistorischen Einrichtungen.

Eine aufgelöste Truppenunterkunft im Hochgebirge.

Zwei getarnte Artilleriebunker im Tal.

Mittagessen und anschliessend eine sehr spannende Führung gab es dann in der Festung Crestawald, einem ehemaligen Artilleriewerk der Sperrstelle Sufers.

Das unmittelbar nach Kriegsbeginn ab September 1939 erstellte Werk ist heute ein militärhistorisches Museum, in dem die originalen Bunkeranlagen und die Artilleriegeschütze aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gezeigt werden. Ab Mitte der 1990er-Jahre wurden viele Schweizer Festungen aufgegeben, wie auch Crestawald, die heute von einem Verein mit viel Herzblut Instand gehalten und als Museum geführt wird. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. 

Die Festung im Crestawald spielte im Rahmen der Reduit-Strategie eine wichtige Rolle und sollte bei einem Angriff der Achsenmächte die dortige Süd-Nord-Verbindung sperren. Die Festung sicherte die Zufahrten von der italienisch-schweizerischen Grenze auf dem Splügenpass und dem San-Bernardino-Pass aus der Richtung des Schweizer Kanton Tessin ab und schützte die Viamala vor einem Angriff aus dem Süden und Südwesten. Die Anlage liegt zwischen den Dörfern Sufers und Andeer an der alten Kantonstrasse.

Der Bau der Festung begann im September 1939 unter strenger Geheimhaltung und wurde im Juni 1941 abgeschlossen. Kernstück der Festung waren die beiden Kanonen Silvia und Lukrezia, die aus einer schwedischen Lizenzkonstruktion eines Schiffsgeschützes in Schweizer Eigenherstellung realisiert wurden. Diese Kanonen hatten eine Reichweite von regulär 17 km und bei verminderter Treffergenauigkeit von 23 km. Damit waren sie in der Lage, die Höhen der oben genannten Pässe zu beschiessen, ohne selbst von dort aus von der gegnerischen Artillerie nennenswert gefährdet zu werden. Die Nahverteidigung der Festung bestand aus einzelnen in die Felsen gesprengten Stellungen für Maschinengewehre, Kanonen zur Panzerabwehr und drei Fliegerabwehrgeschützen. Insgesamt 95 Soldaten waren in der Anlage stationiert und taten rund um die Uhr Dienst. In der Nachkriegszeit blieb die Pflicht um die Geheimhaltung zunächst bestehen, während die Anlagen weiter ausgebaut wurden. Noch 1991 baute man eine Filteranlage gegen chemische Kampfstoffe ein. Die Festung hatte 10’000 Geschosse für die beiden Geschütze eingelagert.

Am zweiten Tag widmete sich Mäck den zivilen Bewehrungen und hat uns sowohl die hochalpinen Lawinenverbauungen, eine gewaltige Lawinendamm-Trockenmauer und den Stausee “Lago di Lei” sowie dessen bedeutsame Entstehungsgeschichte gezeigt und erklärt.

Eine weitere wichtige Wertschöpfung innerhalb des Primärsektors war der Bergbau. Das Ferreratal, das zum Schams gehört, trägt den Hinweis auf Erzvorkommen bereits im Namen, wobei die erste urkundliche Erwähnung über den Erzabbau aus dem Jahre 1605 stammt. Der zweite Tag der Grischun-Tour endete mit einer interessanten Führung durchs Bergbaumuseum Innerferrera und der anschliessenden Tour zur Alp Taspegn zu den Silberminen.

Der Verein Erzminen Hinterrhein sorgt dafür, dass diese im Bergbaumuseum in Innerferrera und auf geführten Exkursionen wieder entdeckt werden können.

Damals suchte man vor allem nach sogenannten Buntmetallen (Blei, Silber und Kupfererz) aber auch nach Eisenerzvorkommen. Einige Stollen, Abbauhalden und Überreste der Verarbeitungsanlagen und Schmelzöfen sind als stumme Zeugen dieser längst vergangenen Zeiten bis heute erhalten geblieben.

Alp Taspegn mit einem weiteren Bergbaumuseum

Abbaugebiet, Silberminen

Credits + Links zu diesem Beitrag:

Text + Fotos: Sascha Knauer

Video/Drohne: JTS Media + Remy Bühler

Tourismus-Region Viamala: Viamala.ch

Festungsmuseum: Crestawald